Hölderlin und die Brüder Grimm

Liebe Kunstfreunde,

aufgrund der aktuellen Lage ist das Museum bis auf Weiteres geschlossen. Die geplante Eröffnung der Ausstellung „Hölderlin und die Brüder Grimm – geschrieben und assembliert von Ruth Tesmar und gestickt von Gertrud Hübner-Nauhaus“ am 27. März kann somit leider auch nicht stattfinden. Wir haben möchten Ihnen aber hier einen Einblick mit Text und Bildern bieten. Einladung zur Ausstellungseröffnung als PDF-Datei.

Ausstellung verlängert bis mindestens Ende Oktober 2020!

Wir hoffen und freuen uns darauf, Sie nach der Corona-Krise wieder in unserem Museum begrüßen zu können und Ihnen die Werke im Original zu präsentieren. Hier führen wir Sie in einen Rundgang durch die Ausstellung:

Rundgang durch die Ausstellung – Auf YouTube ansehen

In würdigem Gedenken an Friedrich Hölderlin zeigt das Museum Haus Cajeth eine Serie ausgewählter Arbeiten von Ruth Tesmar. Die Künstlerin fühlt sich dem Museum Haus Cajeth und der Stadt Heidelberg seit ihrer Neckarreise im Dezember 1992 in fortwährender Anregung verbunden. Auf der Reise zu Hölderlins Lebensorten war für sie die Entdeckung der Sammlung Hassbecker gleichermaßen eindrücklich. Seither haben wir in einigen Ausstellungen ihre Werke mit denen der Künstler aus der Sammlung Hassbecker, wie Pellegrino Vignali, Albino Menozzi und Ondrej Šteberl in korrespondierenden Zwiesprachen gezeigt.

Früh prägten Ruth Tesmar, 1951 in Potsdam geboren, lesbare Zeichen und literarische Botschaften. Im elementaren Medium von Sprache und Vorstellungen erwachte ihr Mitteilungssinn für bildhafte Entsprechungen. Bis 2016 leitete sie als künstlerische Professorin das „Menzel-Dach“ an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie erhielt diverse Preise für Graphik und Buchkunst.

Zum gegebenen Anlass sind nun eine Reihe von Assemblagen zu sehen, in welchen sie eine persönliche Korrespondenzform für ihre Verehrung des Dichters vorstellt. Nach einem längeren Prozess der wahlverwandten rezeptiven Annäherung, überführt sie diesen zu greifbar gestaltenden Einsätzen und handschriftlichen Intensionen. Schreibend und zeichnend mit Tusche, Tinte und Graphit, klebend und montierend, werden auch Fundstücke von vielfältiger Materialität in Brieffaltungen verwahrt. Zudem offeriert Ruth Tesmar „in excerpere“ auf fünf handgeschriebenen, räumlich abgehängten, transparenten Schreibbahnen eine persönliche Lesart ihrer HYPERION – Lektüre.

In spannender Zwiesprache dazu zeigen wir gestickte Illustrationen zu Märchen der Brüder Grimm von Gertrud Hübner-Nauhaus.

Gertrud Hübner-Nauhaus wurde 1900 in Manow am Njassasee im heutigen Tansania als Tochter eines Missionars geboren. 1920 musste die Familie die Heimat verlassen. In ihren Erinnerungen beschreibt Gertrud Hübner-Nauhaus sehr lebendig ihre Kindheit und Jugend in Ostafrika, in einer großartigen Landschaft am Fuße der Uruguru-Berge. Voller Abschiedswehmut stieg sie fast täglich mit ihren bescheidenen Malutensilien ins Tal. Sie schreibt: „Der Wunsch, die Heimat im Bild mitzunehmen, ließ mich ganz unbefangen ein ganzes Gebirge auf mehrere Bogen zu malen“.

Als Zwanzigjährige kommt Gertrud Nauhaus nach Berlin. Ihre aquarellierten Gebirgslandschaften finden sofort Gefallen bei Emil Orlik: „Die hat solche Kraft und Ursprünglichkeit, die nehm ich. Ob sie Zeichnen gehabt hat oder nicht, ist mir egal“. Sie wird Atelierschülerin bei Emil Orlik an der Berliner Kunstgewerbeschule, der späteren Akademie am Hardenbergplatz. 1925 erhält sie das Meisterschülerinnen-Diplom und Lehrer Orlik erklärt: „Ich bin stolz auf mich, dass Sie genauso geblieben sind, wie Sie waren.

Sie heiratet den Germanisten Alfred Hübner, der in Göttingen am Grimmʼschen Wörterbuch wissenschaftlich mitarbeitet. Sie wird Mutter und beginnt Ende der 1930er Jahre das Märchen „Rotkäppchen“ mit feinen Fäden auf Leinen zu sticken. Weitere 24 Märchen-Stoffbücher entstehen, vorwiegend im Zeitraum von 1969 bis 1980. In unserer Ausstellung sind 11 der gestickten Märchen zu sehen, die die wundersamen Geschichten unserer Kindheit wieder lebendig werden lassen.

Fotos der Werke