„Schau an der schönen Gärten Zier“

Blüten – Blumen – Beete – Bäume

Ausstellung vom 17. Juli 2015 – 9. Januar 2016

Pflanzentausch und Samenraub waren die Vergnügungen, die Egon Hassbecker aus seinem Garten in die Welt hinaus lockten.
Alljährlich fuhren wir im Frühjahr nach Frankfurt, ins Bürgerhaus von Bornheim, vier Kisten voller Stecklinge und Schösslinge aus eigener Anzucht im Kofferraum. Die Mitglieder der Gesellschaft der Staudenfreunde trafen sich am Sonntagnachmittag zum Pflanzentausch.

Nach aufregenden Bietergefechten kehrten wir abends mit bis zu zehn Kisten voll frisch getauschter  grünblättriger Geheimnisse nach Hause zurück, – neugierig darauf, zu erleben, was sich im heimischen Boden aus ihnen entwickeln würde.

Im Herbst fuhren wir nach Bietigheim, ins Schwabenland. Die Korbblütler, die ihn im Hochsommer im Bürgerpark am meisten beglückt hatten, waren verblüht. Er schnitt ihnen – ich diente dabei als lebender Sichtschutz – die Köpfe ab und nahm sie mit.
Ich war angehalten, ihn zu Pfingsten nach Weinheim, in den Hermannshof, zu begleiten und zum „Blühenden Barock“ nach Ludwigsburg. Hedi Holzberg in ihrem Märchengarten am Philosophenweg in Heidelberg besuchte er allein.

Er selber empfing das ganze Jahr über Gartengäste aus Eberbach, Heidelberg und Mannheim. Mit Nasenbrille auf der Oberlippe  und Sauerstofftank auf dem Rücken führte er sie zu den Himbeerbeeten. Er hatte die Sträucher gerodet, um die erlesensten Taglilien von der Gräfin von Zeppelin am südlichsten Saum seines Reiches erblühen zu lassen.

Gemälde: Baum der Erkenntnis im Paradiesgarten mit vielen Tieren und Adam und EvaDie gemalten Blumenbilder in seiner Sammlung waren ihm besonders kostbar, und er drängte darauf, ihnen weitere, „noch schönere“ hinzuzugesellen.

Borislav Bjelicic, der Mannheimer Sammler Naiver Kunst, hat sich bereit erklärt, ein weiteres Mal großzügig Leihgaben zur Verfügung zu stellen, desgleichen die Kraichgauer Kunstwerkstatt in Sinsheim.

Die surrealen Schneeglöckchen von Michael Hall und die erdschweren Sonnenblumen von Andreas Kretz verflechten sich mit Tulpen und Narzissen von Ulrike Welz, mit Rosen und Margeriten von Rosemarie Hübner zu einer Girlande, die die Sträuße und Rabatten aus den Sammlungen Hassbecker und Bjelicic zu dem hochsommerlichen Blütenrausch steigert, den wir unseren Besuchern zu genüsslicher Betrachtung empfehlen.
Barbara Schulz